Zu Tisch

Zu Tisch

Wen würden sie zu einem literarischen Diner einladen?, wird Bruce Springsteen von der NY Times gefragt. Bei ihm ganz klar: Keith Richards neben Philip Roth, Tolstoi und obwohl nur drei erlaubt waren: Bob Dylan. Der dieses Jahr immerhin als alternativer Nobelpreiskandidat galt. Bei Richards wird wohl Co-Autor James Fox mit erscheinen. Drei Musiker und zweieinhalb Autoren. Die Mischung stimmt, wenn es kein langweiliger Abend werden soll. Und selbst wenn, wen würde man einladen? Selbst Tote erscheinen ja wie in Tolstois Fall zum Mehrgängemenü. Ich könnte mich nicht entscheiden. Das ist so, wie wenn einem ein Name nicht einfällt, es quält und lässt einen nicht los. Aber wenn auf dem einen Stuhl dann jemand sitzt, ist es eher wie die Reise nach Jerusalem. Diese drei Plätze ändern sich doch immer. Je nach Tagesform. Vielleicht war Springsteen auch deswegen so clever und hat sich mit Musikern umgeben. Die kennt er aus nächster Nähe, deren Songs hat er sicher schon mal einstudiert. Aber Schriftsteller, diese fremden Wesen, die mit ihrem eigenen Werk hadern, ganz zu schweigen von der Kritik. Ich stelle mir meine Einladung zu einem literarischen Diner also so vor, wie bei Becketts „Warten auf Godot“, der Tisch ist gedeckt, die Gläser gefüllt und ausnahmsweise nichts angebrannt, aber … ich warte und lese weiter. Und weiter. Und weiter. Und warte. Und weiß, die Gäste werden sich verspäten.