Wird fortgesetzt.

Wird fortgesetzt.

Das Genre ist übervölkert. So viele gute Plots gibt es nicht. Egal, auf welchem Kontinent sie auch erfunden werden. Und wird tatsächlich mal ein im Ansatz neuer ausgegraben, nagen gleich die Ratten daran und kupfern ab. Alte Helden mit neuen Namen, nicht in Tucson, sondern in Aberdeen und Malmö beheimatet. Nicht der Broker aus Shanghai ist diesmal der Schuft, sondern ein Wirtschaftsjournalist aus Pretoria. Statt einem mexikanischen Verteidigungsminister stirbt nun der litauische Geheimdienstchef. Immer wieder neu? Geht das überhaupt? Literaturwissenschaftler haben herausgefunden, dass es lediglich eine Handvoll unterschiedlichster Plots gibt. Da mag Tess Gerritsen sich mit Patricia Cromwell um das schnellste Skalpell duellieren, da mag Hary Hole mit dem deutschen Regionalkrimi um die Wette saufen, da mag ein Seitensprung mal unter forensischen Aspekten, mal unter juristischen Folgen betrachtet werden. In der Flut der monatlichen Neuerscheinungen bröckeln gute Geschichten wie das längst aus der Mode gekommene Tipp-Ex. Jene weiße Flüssigkeit, mit deren Hilfe wir im Post-PC-Zeitalter unsere Korrekturen zu Papier brachten. Was mit einem gewissen Aufwand verbunden war, weil wir nicht auf die Tastatur kleckern wollten, was bei der sechsten, siebten Namensänderung dazu führte, dass die Korrekturen sich weigerten, neben vielen Rissen auch noch weitere Buchstaben aufzunehmen. Also lasst uns angesichts technisch besserer Ausrüstung das Tempo erhöhen, ein Buch nach dem anderen auf den Markt werfen, bis wir glauben, dass das, was da steht, tatsächlich von uns selbst ist. Schließlich wurden die Jeans auch nur einmal erfunden.