Wenn ich so zurückblicke...

Wenn ich so zurückblicke…

Was für eine gemeine Frage. Welches Ihrer Bücher ist Ihnen das liebste? Erstlingsautoren mag das nicht schrecken. Ab dem Zweiten könnte es eng werden. Was, wenn ein Erfolgsschriftsteller dann nicht seinen gerade erst erschienenen Roman nimmt? Soll ich den überhaupt noch lesen? Erfolgsautoren wie Dennis Lehane ziehen sich geschickt aus der Affäre, indem sie von guten und schlechten Tagen sprechen. An Guten ist die Hälfte nicht mal schlecht, an Schlechten hat er niemals eine gute Zeile geschrieben. Nehmen wir mal dasjenige aus, das uns gerade Kopfzerbrechen macht, in dem die Charaktere irgendwie kein Eigenleben entwickeln wollen, keine Spannung aufkommt, die Geschichte banal klingt. Das, an dem wir gerade schreiben. Auch wenn es damals beim ersten, zweiten, dritten Buch genauso war. Insgeheim sind unsere Lieblinge doch jene, die keiner mag. Die wir beschützen müssen. Vor all der Häme. In die wir so viel Fleiß gesteckt haben, aber die keine Leser finden. Die Kritiker hassen sie. Schwarze Schafe unter all den angeblich so erfolgreichen. Also besser lügen, sagen, das Dritte und Siebte ist es, und verraten niemandem, welche heimliche Liebe wir in uns tragen. Zum Nicht-ganz-Gelungen. Zum Auf-dem-halben-Weg-Steckengeblieben. Zu dem, was nur wir verstehen.