Wenn Groucho tanzt.

Wenn Groucho tanzt.

Groucho Marx hätte seine Freude daran gehabt. Da wollen ein paar Fußballspieler lustig sein, und es geht nach hinten los. Wieder mal. Wir dürfen uns nur noch korrekt verhalten. Weil es massenhaft Beobachter des Unkorrekten gibt, die sich dadurch einen Namen machen, dass sie das Unkorrekte beim Namen nennen und den Verursacher in Zugzwang bringen, klarzustellen, dass er sich nicht korrekt verhalten hat. Also bloß kein Überschwang mehr. Bloß keine Unbedachtsamkeit. Bloß kein Fettnäpfchen mehr zur falschen Zeit. Alles muss abgewägt und auf mediales Echo abgeklopft werden. Was vor allem in gläsernen Zeiten wichtig ist. Schließlich macht es uns ja nichts mehr aus, dass alle alles wissen. Die Handvoll Verklemmter, die sich entziehen, aus sich ein Geheimnis machen, denen ist nicht zu helfen. Sollen sie doch unter sich sein. Aber natürlich können auch wir nicht aus unserer Haut. Wir müssen zu allem eine Meinung haben. Es ist ja nicht so, dass das Netz uns von uns selbst befreit. Wer gerne kontrolliert, der schwingt sich natürlich auch im Netz zum Wächter auf. Hier ist die Grenze überschritten, empört sich rechts einer. Was für eine Geschmacklosigkeit, schallt es aus der Mitte. Was geht, was geht nicht?, fragt sich eh jeder. Wie darf man sich freuen? Ist neu. Zwischen Werbeeinspielungen und den Magenverstimmungen meiner Katze bin ich vor meinem Rechner Volkes Stimme. Richter ohne Robe. Gewissen voller Anspruch. Ich folge nur meinem inneren Gesetz. Und wehe, da draußen erlauben sie sich den falschen Tanz. Dann muss ich leider zubeißen, die rechte Schrittfolge vorschreiben. Auch wenn ich meinen Balkon Schwarz-Rot-Gold gestrichen halte, meine Außenspiegel nationale Präser schmücken. Tanzen geht ans Deutsch-Eingemachte.