Vor dem Schuss

Vor dem Schuss

Was verkörpert den Suspense besser als eine brennende Zündschnur? Viel dramatischer als jede Bombenentschärfung, bei der es gilt, einen von zwei Drähten durchzuschneiden. Blau oder Rot. Sein oder nicht sein. Bei einer brennenden Zündschnur lautete die Maxime eher: der Weg ist das Ziel. Es kommt weniger auf den finalen Akt als auf die Spannung dorthin an. Die Erwartung, was passieren könnte, wird ins Unermessliche gesteigert. Der Suspense muss einen Nerv treffen. Wann ist für mich etwas spannend? Wenn wie bei Hitchcocks „Bei Anruf Mord“ plötzlich der Mörder im Rücken auftaucht? Oder vielmehr die Tatsache, dass der Auftraggeber davonkommt? Durchbrennende Drähte im Hirn eines Psychopathen führen nicht zwangsläufig zum fortlaufenden Zündeln einer Geschichte. In der Malerei gilt, dass ein Bild erst einsteht, wenn ein Betrachter sich davorstellt und es ansieht. Er bringt sich mit. Wie wir uns mitbringen, wenn wir einen Krimi aufschlagen. Der wahre Suspense lauert schon immer in uns. Das was wäre wenn. Wovor fürchte ich mich? Was darf niemals geschehen? Woher soll ein Autor das wissen?