Hamburger Marionetten

Hamburger Marionetten

Am Ende von A Most Wanted Man gibt es eine Wim-Wenders-Szene. Jemand steigt aus und geht weg. Ohne Worte. Ohne sich umzudrehen. Ohne den Zuschauer mit etwas zurückzulassen. Die Geschichte könnte weitergehen. Aber sie endet hier. Nicht mal im Ungewissen. Einfach so. John le Carrés Vorlage, zu Deutsch „Marionetten“, war eher ein dröger Roman, in dem die Lieblingsthemen des Autors einmal mehr wiederholt wurden. Grau in Grau verhangene Agenten unter sich. Schauspieler wie Philip Seymour Hoffman oder Nina Hoss verwandeln die Szenerie im Film in ein beängstigendes Miteinander eines zutiefst in sich verstrickten Misstrauens. Die deutsche Tristesse. Dass sie zu zaubern vermögen, verdanken sie John le Carré. Er schrieb die Vorlage und wie bei einem guten Theaterstück verwandelt sich die eigentliche Geschichte erst, als der Text interpretiert wird. Der unsichtbare Held in der Geschichte um einen gefolterten russischstämmigen Tschetschenen ist kein Held. Dieter Mohr, der graue Aktenwälzer, wird am Ende der Sieger sein. Im Hintergrund die Strippen gezogen haben. So bürokratisch sehen die Helden in der Realität aus. John le Carré vermag ihnen immer wieder ein Gesicht zu verleihen. Eine unvergessliche Story wird jedoch erst daraus, wenn Bilder haften bleiben. Und sei es nur, dass einer aussteigt und einfach geht.