Und wieder ein Mord

Und wieder ein Mord

The British enjoyed and consumed the idea of murder, schreibt Lucy Worsley in The Art of English Murder. Was den Schluss nahelegt, dass sich vor allem die gehobenen Kreise daran erfreuten. Laut Worsley waren es jedoch eher die ärmeren Kreise und der Mittelstand, die sich fürs Morden begeisterten. Straßen und Plätze waren zu allen Zeiten Schauplätze öffentlicher Hinrichtungen. Das Leiden anderer war und ist Unterhaltung. Köpft ihn, hängt ihn, erschießt ihn und ich gehe nach Hause und erzähle davon. Je näher ich dran bin umso spektakulärer. Was früher öffentlich war, ist privatisiert worden. Wird Live gesendet oder im Studio frei erfunden. Abgeschoben in Labors und vors Flipchart der Profiler. Wie gerne machen wir uns zur Prime Time vor, dass die Heerscharen von Detectives, die das Genre durchziehen, nach der Realität gezeichnet sind. Auch wenn es sicher mehr Alkoholiker und Geschiedene im realen Leben in diesem Berufszweig gibt, als uns lieb ist. Bleibt die Frage ob das lüstern perverse Morden auf dem Papier, das sich in ausschweifender Beschreibung suhlt, die öffentliche Hinrichtung vor Schaulustigen ersetzt hat. Ist der Krimi nur deswegen so erfolgreich, weil wir  mehr und mehr vereinzeln? Es fehlt die öffentliche Jagd wie in „M“ von Fritz Lang. Oder jemand wie Heinrich VIII Tudor, dessen Steckenpferd darin bestand, Ehefrauen köpfen zu lassen. Der Mord verbindet uns doch alle.