Schluss, aus, ich male jetzt.

Schluss, aus, ich male jetzt.

Aber davon leben können? Da hat uns Josef Beuys ein schönes Ei mit seinem Satz Jeder ist ein Künstler ins Nest gelegt. Es gab kaum eine Zeit, in der wir das mehr glauben wollten als jetzt. Noch nie war das Fotografieren und Verbreiten so einfach. Videos lassen sich überallhin bereitstellen. Meinen Roman publishe ich einfach selbst. Doch bald schon ist die nächste Stufe erreicht. Und auf die besaß selbst Beuys keine Antwort: Ich will Geld dafür haben. Ich habe es satt, dass nur meine Freunde mir auf die Schulter klopfen. Ich will weltberühmt werden. Zumindest in Bayern. Oder Berlin. Sie sollen mich in Tokio lesen wollen. Vorbei der Überschwang der ersten Zeilen, der stolz geschwellte Gang. Längst sind Kritik und Absagen an einem abgetropft. Niederschmetternde Zahlen im Verkauf verbucht. Egal ob Schauspieler, Maler oder Schriftsteller … es gibt zu viele davon. Schließlich muss die eigene Geschichte erzählt werden. Eine Rolle ist einem auf den Leib geschrieben. Nur mir Farbe lässt sich ausdrücken, was wir nicht denken wollen. Ganz zu schweigen von Fotografen, Musikern, Visagisten. Überall nichts als Künstler. Welch wunderbaren Zeiten, wir können es uns leisten, Künstler zu sein. 1 bis 2 Prozent können davon leben. Beuys gehörte zu seiner Zeit dazu. Das ist bei 100 Prozent Künstler einfach zu wenig. Besser wir beißen die 98 Prozent mal weg, um uns Platz zu verschaffen. In der SZ schreibt Hilmar Klute heute, dass, wenn man die literarischen Kreise in Wien gegeneinander aufstelle, es Tote geben würde. In Abwandlung von Beuys berühmten Spruch: Nur ein toter Künstler ist ein Künstler. Von dem können seine Erben dann endlich leben. Oder sie rufen den Sperrmüll.