Schau mir in die Augen Kleines.

Schau mir in die Augen Kleines.

Bogart wusste, worauf es ankam. Mehr als er wohl nur Lauren Bacall. Die SZ titelte ihren Bericht zum Tod der Schauspiellegende am Donnerstag mit: Sie regierte mit einem Blick. Nichts ist so schwierig im Genre wie der Blick. Der Suspense gehorcht Gesetzen. Der Hang zur Gerechtigkeit versteht sie von selbst. Aber wenn Autoren versuchen, ihre Helden oder Heldinnen durch einen Blick zu charakterisieren, rutscht es leicht ins Klischee ab. Vom Schlafzimmerblick über die eisige Kälte über das melancholische Verlorensein hin zu Unterwerfung und Triumph. Es ist alles über ihn gesagt worden. Wir wiederholen uns. Er soll uns alle Geheimnisse entblättern. Ob wir jemanden beim Lügen ertappen oder als ehrliche Haut aufnehmen. Was Krimiautoren alles im Blick eines Sterbenden sehen oder wenn jemand vor Angst halb wahnsinnig wird, welche Mordgier sich mit einmal einer Figur ermächtigt, welche Ohnmacht sich entblößt, sammeln sie in einer Handvoll Eigenschaften. Der Blick ist der Star, dicht gefolgt vom Lachen. Mag sich einer noch so geschmeidig bewegen, noch so verräterisch bücken, wir warten darauf, dass er uns anschaut. Auf den einen Blick, der keine Worte braucht. Womöglich liegt es an all dem, was wir in ihn hineinlegen, dass so wenige Autoren sich darauf verstehen, ihn uns so zu schildern, dass wir von ihm gebannt sind.