Nicht in den Zeilen

Nicht in den Zeilen

In einem Café in Sydney findet eine Geiselnahme statt. Erwischen Sie sich auch manchmal dabei, wie Sie sich fragen, wie würde wohl jener Autor oder jene Autorin ein solches Verbrechen beschreiben? Haben wir damals nicht angesichts der Geiselnahme in Gladbeck mit dem Kopf geschüttelt? So was fällt doch keinem ein. Da muss die Realität schon eingreifen. Es gibt Krimis über Geiselnahmen in Banken, Restaurants, Hochhäusern oder einer sieht zu Hause vorbei und setzt die Familie fest, bis der Familienvorstand das erledigt hat, was von ihm oder ihr erwartet wird. Ein Foto prägt nun die Agenturmeldungen aus Sydney. Eine schwarze Flagge mit arabischer Schrift wird gegen eine Schaufensterscheibe gehalten, auf der ein Gruß der Firma Lindt klebt. Zeitgemäß: Merry Christmas. In diesem Moment spiegelt sich all der Wahnsinn unserer Zeit wider. Werbung, Politik und das unbeirrte Festhalten an einer hehren Weihnachtswelt. Wer da zwischen die Fronten gerät, wird nie wieder lesen wollen, was Schriftstellern dazu einfällt. Vor allem, wenn draußen die Schaulustigen Selfies von sich schießen.