Nein, Danke.

Nein, Danke.

Oftmals ist es nicht so gut, wenn ein Preis nach einem benannt wird. Bei Straßen und Plätzen fängt der Streit wegen der Genderdiskussion viel früher an. Soll nun der Name einer berühmten Frau dafür herhalten oder doch lieber wieder ein Mann? Damit die Anwohner sich geehrt fühlen, weil Sie am Willy-Brandt-Platz oder in der Clara-Schumann-Straße in Biberach an der Riß wohnen. Bislang ist statistisch nicht belegt, ob Mieter nur deswegen ausziehen, weil ihnen der Straßenname nicht gefällt. Es liegt eher an der hohen Miete, dem Familienzuwachs oder dem fehlenden Balkon. Bei Ehrenpreisen ist das anders. Da soll der Name den Empfänger schmücken. Das werden Sie sich auch beim Henri-Nannen-Preis gedacht haben. Nur spielte der Preisträger dieses Jahr nicht mit und nutzte die Gelegenheit, um öffentlich zu bekunden, dass er die Skulptur einschmelzen lassen wird. Was für ein Theaterdonner! Passend zum Festival „Theater der Welt“ in Mannheim. Nannen, das Nicht-Vorbild, weil er als Mitglied einer Kriegsberichterstatter-Kompanie der Luftwaffe diente und Propaganda für die Nazis gemacht habe. Dagegen begehrte der Preisträger als moralische Instanz der Nachgeborenen auf. Einmal mehr eine längst gewonnene Schlacht schlagen, um als Sieger hervorzugehen. Es bleibt der fade Nachgeschmack zurück, dass trotz des Bekenntnisses, unter sozialen Druck geraten zu sein, hier jemand eine Bühne gesucht hat, um sich zu inszenieren. Die Entscheidung der Jury hat er nicht zurückgewiesen und das Geld artig gespendet. Wenn politisches Bewusstsein einherkommt mit grollendem Eventspektakel, kann man dem Aufrechten nur vorhalten: warum überhaupt? Oder braucht es die Inszenierung einer selbst heutzutage, um eine Botschaft überhaupt unters Volk zu bringen? Wenn das Widerstand sein soll, dann eher auf der Bühne des politischen Boulevards. Ein paar schöne Schlagzeilen bringt das ein. Nur eine Frage bleibt offen: lässt der Preisträger sich nun aus dem eingeschmolzenen Nannen eine Büste von seinem Kopf gießen?