Mit einer Rose im Mund.

Mit einer Rose im Mund.

Seit Sonntag 17.35 hinke ich. Auch ich habe mir ins Knie geschossen. Wenn ich Sibylle Bergs Kolumne im Spiegel glauben darf. Ihre Analyse einer paralysierten Buchbranche läuft zwar wieder aufs immer Gleiche raus: Nun tut doch was, nun habt doch keine Angst, aber sie ist mit der Berg'schen Wut untermalt, die diese Schriftstellerin auszeichnet. Weil sie sich einmischt. Egal ob’s einem passt oder nicht. Wie sieht nun ihre Rettung aus: Tut euch endlich mit Computercracks zusammen, schmeißt nicht so viele Autoren auf den Markt, die noch grün hinter den Ohren sind, ahmt nicht die Musikindustrie nach, hechelt nicht hinterher, hechelt voraus. Und natürlich sollten die arrivierten Autoren ganz anders gewürdigt werden. Als säßen in den Verlagen nur Kaninchen, die, solange man sie mit einer Möhre füttert, brav die Welt hinter dem Maschendraht für Fernsehen halten, dessen Programm sie nur umzuschalten brauchen. Und damit bewegt sich die Rettung einer ganzen Branche wieder mal im Vagen. Da zahlt Shades of Grey den Buchhändlern immer noch die Miete und Sybille Bergs Werk schützt ihre kulturelle Seele vor der Verrohung, lässt sich aber nicht angemessen verkaufen. Und doch hat sie recht, der Buchmarkt ist in einer Art Zwischenwelt eingefroren. Keiner hat eine Antwort. Jeder doktert herum. Die Verlage sollten sich endlich zusammensetzen und gemeinsam überlegen. Halbherzige Versuche gab es genug. Doch die organisierten sich so wie Straßenfeste. Nicht jeder baut mit auf, aber zum Trinken sind sie alle da und begeistert machen Sätzen wie: Wir sollten uns wehren …, wir müssen was tun… die Runde. Sibylle Berg rät dazu, die neue Zeit mit einer Rose im Mund zu begrüßen. Da werden wir uns wohl einen blutigen Mund holen. Denn so eine Rose ohne Stacheln ist doch keine Rose. Ohne Blut geht’s halt nicht ab, wenn Schlachten geschlagen werden. Und sei es unser Eigenes.