LÜGEN, WAS DAS ZEUG HÄLT.

LÜGEN, WAS DAS ZEUG HÄLT.

Yvonne Hochstetter machte sich gestern Abend in der Kulturzeit Sorgen um uns Menschen. Dazu muss man wissen, dass Sie Datenanalystin ist und an künstlicher Intelligenz arbeitet. Sie erwähnte Mathematiker und Physiker, die sagen, dass sie die neue Atombombe entwickelt haben und keiner merkt es. Ob die dann alle auch wie Robert Oppenheimer, nachdem er sie im Einsatz gesehen hatte, daran verzweifeln? Er wurde des Umgangs mit Kommunisten bezichtigt, um ihn zu stigmatisieren. Und die Schöpfer der künstlichen Intelligenz demnächst? Etwa dem Umgang mit menschlicher Intelligienz? Angesichts all der Sensoren, die unser Leben in Zukunft aufzeichnen, bleibt uns nur eins: Lügen, was das Zeug hält. Mit erfundenen Geschichten die Welt bevölkern. Es lebe die globale Fiktion, der gelebte Roman. In ihr verteilen wir Charaktere und Schicksale und biegen uns das Leben zurecht. Es lebe der Schwindel. Der Betrug. Wenn es passt, warum nicht? Der Algorithmus weiß doch eh, wie wir sind, was wir machen, was wir denken, was wir kaufen. Überraschen wir ihn, indem wir mit unseren Lügen seinen Stecker ziehen. Schenken wir ihm mehr Geschichten von uns über uns. Dann bekomme ich demnächst nicht mehr die nächste Generation gestylter Kaffeemaschinen, sondern einen Rührstab im Newsletter angeboten. Weil ich genau die Zielgruppe bin. Vom Alter her. Vom Aussehen her. Wegen meiner Schlafgewohnheiten. Wollen wir überleben, dann nur in einer Lüge.  Was heißt, dass ich mir morgen Tee kaufen muss, oder?