Von Mord zu Mord

Von Mord zu Mord

Morden Italiener anders als Franzosen, Engländer anders als Schotten, Schweizer brutaler als Deutsche oder Österreicher? Ganz zu schweigen von den Regionen, von denen wir rein gar nichts verstehen. Aserbaidschan, Bolivien, Taiwan, Nigeria. Ist die Genugtuung danach größer? Die Schuldfrage endlich gelöst? Erschießen Schotten am liebsten Engländer; Schweizer, Deutsche oder Italiener sich am liebsten gegenseitig? Sind die Richter korrupter in einer halbseidenen Demokratie oder doch in den klaren Diktaturen? Es gibt kaum Krimis, die in der Anarchie eines Bürgerkriegs spielen? Weil keiner zu Gericht sitzen will, um nicht von einem Blindgänger getötet zu werden. Wie steht es ums Morden im Gazastreifen, wenn nur die Toten eines Krieges gezählt werden? Sind das nicht goldene Zeiten für private Fehden? Was ist mit den menschenleeren Hochebenen, durch die die Nomaden ziehen? Ein Mensch verschwindet und niemand fragt, weil der nächste Gerechte womöglich drei Tagesreisen auf sich nehmen müsste, um einen Schuldigen zu überführen. Es gibt sie also noch, die Gelegenheiten seinen mörderischen Frieden zu finden. Man muss nur weg von den britischen Überwachungskameras, der deutschen Ringfahndung, der amerikanischen Generalüberwachung. Nur eine Frage bleibt ungelöst: Wie bekommt man den, den man ermorden will, in die Wüste, in eine Gletscherspalte, aufs Meer hinaus?