Kriegstreiber

Kriegstreiber

Da ist es wieder das Wort, bei dem sich selbst Politiker in Rage reden. Da platzt der Kragen, da schwillt der Kamm, da läuft das Gesicht zu wunderbar purpurroter Farbe an. Und schon ist man ein Star auf YouTube. Schließlich geht es ans Eingemachte. Um eine Unterstellung, eine Beleidigung, um schlichtweg alles. Ein Umstand, der gerne bei einem Geständnis angeführt wird. Man hat halt keinen anderen Ausweg gesehen. So unter Druck gestanden. Die Rage ist ein vortreffliches Mordmotiv im Genre Krimi. Ist die Ehre eines Mafioso erst einmal verletzt, schickt er seine Jungs aus dem Zimmer, um Beton als Schuhersatz anzumischen. Im Politkrimi sieht sich der eine Geheimdienstchef bei der Ehre gepackt, wenn der andere schlauer ist. Aber Kriegstreiber? Das klingt nach 14/18. Als das Wort wie eine graue Wolke über den europäischen Grenzen hing. Treiber sind für gewöhnlich jene Menschen, die einer Jagdgesellschaft das Wild vor die Flinte scheuchen. Die Herrschaften sind zumeist schlecht zu Fuß oder hoch zu Ross und brauchen einfach ein freies Schussfeld, damit sie überhaupt was treffen. Schließlich wollen sie sich und ihre Beute am Lagerfeuer bei einem Schnaps feiern lassen. Also wäre es doch nur recht und billig, dass wie bei einer Kriegstreiberei anschließend die Treiber ihren Jägern die Leichen vors Haus zu legen, statt sie irgendwo in einem Massengrab verschwinden zu lassen. Dann würden sie sicher mehr als nur einen Schnaps brauchen, um den Anblick vergessen zu können. Im Krimi haben es die Mörder einfacher. Hier lautet die oberste Richtschnur: Lasst die Leichen verschwinden. Ohne Leichen kein Verbrechen. Auch wenn ihnen am Ende keiner einen Schnaps anbietet. Das Leben kann ungemein hart sein, wenn es nur in der Fiktion spielt.