Klappe halten!

Klappe halten!

Wie soll es aussehen, das E-Book der Zukunft? Durchsichtig? Umsonst? Vollgepackt mit Zusatz. Bilder durch Videos ersetzen, Noten durch Clips ersetzen, Klarheit dabei schaffen, was der Autor so denkt und schon immer einmal erzählen wollte? Ihn beim Lesen, beim Kochen, beim Schreiben und Küssen zusehen? Eingebunden ins Konsumlesen. Überall Geschichten. Zu Hause neben der Waschmaschine als Book. Im Freibad als E-Book. Beim Streik der Bahn als mit allem gepaarten Hörbuch. Ich lese da weiter, wo ich gerade aufgehört habe. Wer ein Buch in der Hand hält, will eher nicht gestört werden. In gestreamten Zeiten bedeutet es, dass wir gestört werden wollen. Jeder Ton um uns herum, den wir selber eingestellt haben, fordert unsere Aufmerksamkeit. Es könnte ein Leser sein, der mir gerade was über die eine Stelle ganz unten auf Seite 23 erzählen will. Es gibt keine Ausrede mehr, nicht zu lesen. Keine Zeit? Überall ist Zeit liegen geblieben… das Buch überwacht uns. Geschichten an die Macht. So manche Handlung wurde zwischen zwei Buchdeckeln eher ertragen, während der Autor sich für ein Genie hielt. Nun begehren wir auf und fragen uns: Langweile ich mich schon? Wir sind längst im Post-Sozialismus angekommen. Was geteilt werden kann, wird nicht besessen. Hurrah. Die Freiheit der Gedanken. Und seien sie noch so ein Schrott. Im 21. Jahrhundert ist das einzige Gut: die Langeweile. Das ungeschriebene Gesetzt lautet, wer sich langweilt, ist selbst schuld. Was soll das Buch in modernen Zeiten schaffen? Es soll die Klappe halten, während wir darüber reden.