JETZT RED i

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Na, wenn das nicht ein Löwengebrüll ist. Ein hungriges dazu. Oder ist es doch nur ein Gähnen? Endlich mal kein Blatt mehr vor den Mund nehmen. Nicht länger die Zähne zusammenbeißen. Alles, was schon immer gesagt werden musste, zu dem keiner Stellung nehmen wollte, raus damit! Und da die Angst vor der eigenen Belanglosigkeit kreist, ist der Paukenschlag das einzige probate Mittel an ersehnter Bedeutung zu gewinnen. Thilo Sarrazin wusste das. Er tummelte sich wie ein Fisch in der abschätzigen Dummheit der sogenannten stillen Mehrheit, fühlte sich berufen, ihr seine Stimme zu leihen. Die Thesen so zurechtgeschraubt, dass leichte Übelkeit sich zum Brechreiz steigert. Jetzt red i. Angesichts einer verqueren intellektuellen Blase im Kopf kein Problem. Die Themen liegen schließlich auf der Straße. Dann rauscht es durch alle Blätter und auf allen Kanälen wird diskutiert. Und obwohl alle mitreden wollen, redet eigentlich nur der Jetz red i-Zwerg, der seine plötzliche Größe ausgiebig genießt, sich in der Empörung sonnt und sanft lächelt. Er hat es doch schon immer gewusst. Was für ein grandioses Ziel dieses Jetzt red i doch ist. Man muss es nur so weit schaffen, dass man selber gar nicht mehr zu reden braucht. Stammtischparolen, die beim Bierlachs die Runde machen, lohnen sich dann, wenn sie sich an der Theke weiter verpflanzen. Wobei der Bierlachs nichts dafür kann. Nun also blökt auch Akif Pirinçci Jetzt red i! Nicht zu verwechseln mit einer bayrischen Fernsehsendung, die ihr 40-jähriges Bestehen gefeiert hat . Auch Pirinçci gefällt sich in der Rolle des rechten Schmudelljungen, der sich das Deckmäntelchen des wahren Deutschen überwirft. Marktschreierisch: meine Bananen sind die besten, die anderen sind nur krumm. Und alle regen sich auf, dass er sich aufregt, und hecheln ihm hinterher. Jetzt red i. Beim Gähnen dringt manchmal ein fürchterlicher Mundgeruch heraus. Direkt aus dem leeren Magen. Auch wenn mancher glaubt, es sei das schönste Löwengebrüll überhaupt.