Ich habe fertig!

Ich habe fertig!

Würden zehn Übersetzer oder Übersetzerinnen denselben Text ins Deutsche übertragen, lägen uns sieben bis zehn verschiedene Übersetzungen vor. Wobei vier der Übersetzer mit den sechs anderen nicht glücklich wären. Oder waren es sechs Übersetzerinnen, die mit vier … oder neun mit zehn? Sprache. Angeblich sollen sich Schauspieler einbilden, bestimmte Sätze in fünfzig verschiedenen Variationen sagen zu können. Was jedem spätestens in dem Moment klar wird, wenn wir uns in einem Gespräch falsch verstanden fühlen. So war das doch nicht gemeint, lautet dann die Entschuldigung. Schlimmer noch: Du willst mich nicht verstehen! Und schon ist eine langjährige Freundschaft am Ende. Die Branche macht es einem nicht leicht. Der eine Verlag hat zuerst die Rechte gehabt, tritt sie dann an einen zweiten ab und siehe da, die erste Übersetzung war schlecht, nicht so gut, steif, hölzern. Wie in Hemingways Fall kann es dazu kommen, dass gar der eigene Verlag sich berufen fühlt, eine neue Übersetzung zu beauftragen. Wer sich auf die Sprache verlässt, vertraut dem Wetter. Es regnet noch nicht, aber es könnte sein, aber im nächsten Moment bricht die Sonne durch die Wolken … und wie nennt man das nun? Haben wir überhaupt eine Chance, den fremden Ton so zu lesen, wie er sich selbst versteht? Nicht immer heißt es wie bei einem Fußballtrainer klar und deutlich: Ich habe fertig! Manchmal, wenn’s brenzlig wird, will jemand eine Antwort auf die Frage, was mit uns los ist? Haben wir etwa schlechte Laune? Lügen wir da gerade? In dem Moment müssen wir auf jedes Wort höllisch aufpassen, wollen wir es anschließend nicht bereuen. Wir haben es ja nie so gemeint, wie wir es gesagt haben. Und wehe das muss dann auch noch übersetzt werden.