Ich dreh dann mal eine Runde durch.

Ich dreh dann mal eine Runde durch.

Es gibt Verbrechen im Genre Krimi, die interessieren keinen. Sie stehen am Anfang einer langen Kette von Ereignissen, die im eigentlichen Verbrechen enden. Ein Fehltritt. Ein Bagatellfall, bei dem es sich nicht lohnt, dass er strafrechtlich verfolgt wird. Ein Ladendiebstahl als Mutprobe. Der Schmuggel von Zigaretten, weil wir nicht einsehen wollen, dass wir nur eine oder zwei Stangen mitbringen dürfen. Erbschleicherei… als Volkssport. Heiratsschwindel… zum Ausloten der Schamgrenze. In den meisten Fällen erfolgt eine Ermahnung. Von denen sammeln wir einen ganzen Sack voll im Laufe unseres Lebens. Das perfekte Feld für den Roman Noir. Am Ende sind wir alle desillusioniert, einsam und seelisch bankrott. Allein dieses uns stundenlange Zuhören müssen, wie schlecht es uns selbst doch geht, zermürbt, lässt uns allmählich den Punkt erreichen, dass uns der Kragen platzt. Ich dreh mal eine Runde durch. Michael Douglas hat in Falling Down den perfekten Spießer gespielt. William D-Fens Foster, der seinen Wagen im Stau zurücklässt, um sich mit der Waffensammlung einer Gang durch die Straßen von Los Angeles aufzumachen, um seiner von ihm getrennt lebenden Tochter ein Geburtstagsgeschenk zu bringen. Ein Amoklauf in der Mittelschicht, um gegen Ende den Suicide by cops zu provozieren. Der Untertitel lautete: Ein ganz normaler Tag. Stephen King schaut an der Ampel vom Rücksitz eines Taxis gerne in das Wageninnere neben ihm. Oftmals eröffnet sich ihm da der nackte Wahnsinn. Stoff für hunderte Bücher. Die Enttäuschung über sich ist das Motiv für ein Verbrechen schlechthin. Wenn ich mir vorstelle, wie ich im Stau stehe und in das Gesicht von Stephen King schaue. Dann drehe ich doch lieber im Kleinen schon vorher immer wieder mal ein bisschen durch.