Ich bin mir selbst suspekt.

Ich bin mir selbst suspekt.

Mit jedem Blick aufs Handy stellt sich die Frage: Bin ich für die interessant genug, dass sie meine Stimme aufzeichnen wollen? Schließlich ist selbst dem Innenminister aufgefallen, dass die Kommunikation sich verlagert hat. Auch er will mitlesen. Wenn auch nicht liken. Was die ganze Sache erleichtern würde. Wenn da zu lesen wär: Ihrem Innenminister gefällt das, es bringt Ihnen dreieinhalb Jahre Stammheim ein. Aber wahrscheinlich ist es so, dass die eigenen Nachrichten zu viel Fett angesetzt haben. Wir schreiben uns die Finger wund, legen unsere Seele bloß und keinen interessiert es. Am Ende sind wir gezwungen, uns beim Innenministerium zu beschweren, wieso wir überhaupt Steuern zahlen. Machen wir uns also verdächtig. Sonst droht uns der rechtspolitische Schlaganfall. Schließich sagt der Innenminister, solange der Raum rechtsfrei ist, ist er nicht rechtswidrig. Im Feld der Sicherheit ist das der wichtigste Raum überhaupt. Wir sollten ihn füllen.