Hurra, es ist Noir! Oder doch nicht?

Hurra, es ist Noir! Oder doch nicht?

Eine Schublade hat gerade Hochkonjunktur im Feuilleton. Kein Film, kein Krimi, dem nicht der Noir-Touch angeheftet wird, wenn er einen Hauch fatal ist. Drama pur. Die Literaturwissenschaftler verweisen auf die Tradition und ziehen aus ihr die Querverweise zum vermeintlichen Hype. Das Sonderangebot der Saison lautet: Noir. Doch entwickelt sich so ein Subgenre weiter, verändert es sich mit der Entwicklung der Gesellschaft oder spüren wir in ihm nur den Gesetzmäßigkeiten nach, der Erfüllung gewisser Kriterien, um glückstrahlend mit dem Finger darauf zu verweisen: Noir. Wie alles ist der Noir brüchig. Was für den einen Düsternis ist, erweckt bei einem anderen eher das Gefühl ein pathetisches, schriftstellerisches Doku-Drama zu sein. Ja, die Welt ist schlecht, das wissen wir. Müssen wir das immer und immer wieder lesen? Jede Tragödie besteht schließlich in dem Auftrag, dass der Held scheitern muss. Und wenn nicht, wenn er halbwegs überlebt und dem Untergang seelisch wie materiell entgeht, hellt sich der Noir dann auf? Die Antwort geben die Schriftsteller darauf. Unser Verhältnis zu dem, was sie schreiben, erweckt in uns das Gefühl des Noirs. Er ist eher Spiegelung als Unterhaltung. Was also ist es, das das Feuilleton plötzlich dazu verleitet, den Noir an jeder Straßenecke zu entdecken? In der festen Zuversicht, dass er immer schon am Leben gehalten wurde. Nur halt nicht als Sonderrabatt. Wie jetzt. Nicht alles ist Noir. Und leider drohen Autoren wie William McIlvanney in der Schwemme nicht wahrgenommen zu werden. Wollt ihr wissen, was Noir ist, entdeckt ihn. Auch wenn gerade mal alles Noir ist. Unser Leben. Unsere Zukunft. Nächstes Jahr ist alles anders.