Her mit den Verrätern!

Her mit den Verrätern!

Mal wieder. Die Realität macht uns klar, wie gut wir es in unserer schillernden Fiktion haben. So trocken, so farblos der Blick aus den Fenstern des Verfassungsschutzes erscheinen mag, seit John le Carré den biederen Beamtenspion zum Helden erkoren hat, Flemings Bond als Frauenheld der Eigentherapie bedarf, Bourne sich nicht durch Caracas schlägt, eher verraten und verkauft fühlt, der deutsche Verfassungsschützer macht sich frei nach Nestroy einen Jux. Holt zum vermissten Einschüchterungsversuch, zum Aktenspektakel aus: Landesverrat! Klingt danach als gebe es im globalen Werteverfall einen zu schützenden gesellschaftlichen Hort. Kann jemand den Herren stecken, dass sie, wenn sie wie eine Laune daherkommen, keine 1000 Fans sammeln werden? Wo bleibt da der Event, der Mehrwert, das Plus, wenn mit den Mitteln, des letzten Jahrhunderts und Vorvorjahrhunderts Politik zu machen versucht wird? Schließlich wollen wir auch unsere Verräter haben, wir wollen unterhalten werden. Die USA haben Snowden, die Tories längst begriffen, dass ein gewisser Vermarktungswert daraus zu ziehen ist, alle fünf Jahre einen Maulwurf aus dem Ärmel zu schütteln. In Asien können wir uns kaum die Namen merken, so schnell verschwinden sie in den Gefängnissen. Und Frankreich? Da streiken die Bauern. Griechenland? Ringt mit der Krise. Italien? Vermisst Berlusconi. Angesichts eines permanent deutschen Überschusses im Außenhandel müssen dringend Ermittlungen her und sollte die Journaille am Ende davon kommen, haben wir sie ordentlich durchgerüttelt. „Jetzt frag ich aber zahlt sich so a Jux aus, wenn man ihn mit einer Furcht, mit 3 Schrocken, 5 Verlegenheiten und 7 Todesängsten erkauft?“ heißt es bei Nestroy. Als Posse mit Gesang besitzt dieser Landesverrat durchaus den Reiz einer zusammengezimmerten Wanderbühne, um der Eintönigkeit eines öden verglasten Hochhauslebens zu entkommen.