Grenze an Grenze, doch meilenweit entfernt.

Grenze an Grenze, doch meilenweit entfernt.

Warum haben es französische Autoren auf dem deutschen Markt so schwer? Treffen sie einen fremden Ton? Ist Ihre Mittelschicht eine andere als unsere? Nach Jahrzehnten der Nähe ist das Frankofone im deutschen Literaturbetrieb an den Rand gedrängt worden. Der Distel Verlag hat sich um das Heimatland des Polars verdient gemacht. Keine Mühen gescheut, immer wieder neue Namen vorzustellen. Natürlich gibt es Erfolgsgeschichten wie Vargas oder Manotti. Für jemanden wie mich, der letztes Wochenende mit französischen Verlagen und Autoren in Paris zusammensaß, ist es schwer zu verstehen, dass wir so angelsächsisch, so Skandinavien Cool geworden sind. Was früher philosophisch wie gesellschaftskritisch sich gegenseitig gesucht hat, steht sich nun skeptisch gegenüber. Uns fehlt auf unserer Seite die Tradition des dunklen Gesellschaftsblicks. Die glücklichen, wirtschaftlich deutschen Zeiten lassen allein die abgrundtiefe psychologische Deformation als Begründung für ein Verbrechen zu. Wenn ein Autor wie Jérémie Guez die eigene Wut wichtiger ist als die Gerechtigkeit, irritiert das. Gewalt hat der Unterhaltung zu dienen, um gesellschaftskonform zu sein. Wer sich einen Außenseiter zum Helden nimmt, der hat bitteschön wie bei Lee Child für Recht und Ordnung zu sorgen und nicht zu behaupten, das interessiere ihn alles nicht. Manchette wusste das. Erst gab es den Polar, dann den Néo-Polar. Es ändert sich nur etwas, wenn wir das Spiel nicht mehr mitspielen, statt es zu bedienen.