Früher war alles schöner.

Früher war alles schöner.

Über kurz oder lang wird ein weiterer Mythos aus dem Genre verschwinden und nur noch wie die Prohibition in nostalgisch angehauchten Krimis auftauchen: das Bargeld. Wir schön war es doch, sich vorzustellen, dass aus Not heraus geboren jemand eine Bank betrat, dem Kassierer eine Waffe unter die Nase hielt und mit den Barbeständen die Kassenhalle wieder verließ. Nicht erst seit Bonnie und Clyde und Jesse James haftete dem eine gewisse Sozialromantik an. Es gab auch geniale vom Schicksal Geschlagene wie Wyatt von Gary Disher, die immer mit einem Fuß im Glück einsehen mussten, dass sie eher auf die Schattenseite des Mondes gehörten. Und nun das. Der Spiegel warnt: Bitte, bitte, lasst uns das Bargeld! Ökonomen träumen offenbar vom alleinigen Zahlungsmittel Plastikgeld. Oder mit Apple zu sprechen, von der Bezahlung via iPhone. Kein Wunder, dass ordentliche Berufe wie Panzerknacker oder Bankräuber nun umschulen. Wie sollen sie sonst ihre Million machen? So viele Handys und Kreditkarten kann ich gar nicht stehlen. Mal abgesehen von den Sicherungen, den Kennwörtern, den unbekannten roten Zahlen auf den Konten. Bei einer Bank durfte ein Gangster sich früher sicher sein, dass Geld im Tresor lag. Es gab die idyllischen Plätze auf dem Land, brandgefährliche an der Ecke. Die Zeit lief. Noch 60 Sekunden. Allein die Mühe, die es kostete, eine Filiale auszukundschaften. Melville in Schwarz-Weiß. Hollywood in Cinemascope, Noir auf höchstens 300 Seiten. Und nun ein Display, ein Hacker. Ob daraus noch mal eine so legendäre Gestalt wie Doc McCoy erwächst? Und wie langweilig wird die Mafia, wenn ein Schutzgelderpresser beim Verlassen des Ladens sich kein Geld in die Hose stopft. Die Kofferindustrie hat in Lateinamerika ausgedient. Keine beeindruckenden Geldübergaben mehr. Entführungen? Vergesst es. Das Geld wird von einem Konto aufs andere überwiesen. Somit können wir auch die Papierkörbe abschaffen.