Flaute

Flaute

Irlands Schriftstellern geht’s nicht gut. Im Gespräch mit Gene Kerrigan erzählte er, dass der Niedergang der irischen Wirtschaft im Zuge der Bankenkrise nicht nur zu einem Hypothekensturz und anwachsender Arbeitslosigkeit geführt hat, auch für die irischen Schriftsteller habe sich die Lage dramatisch gewandelt. In Irland vom Schreiben zu leben, wäre selbst für arrivierte Autoren fast unmöglich geworden. Wer sein Geld nicht mit Buchverkäufen in England oder Amerika mache, schlage sich so durch. Zwar werden viele deutsche Autoren ins gleiche Horn stoßen und darauf pochen, dass auch sie kein Geld sehen, doch zeigt die irische Situation, dass es einmal mehr mit der Schriftstellerromantik nicht weit her ist. Wenn eines der Mutterländer des Erzählens seine Autoren nicht mehr pflegen kann, wie steht es dann um jene Länder, die weniger Stolz auf ihre Erzähltradition sind? Den Deutschen wiederum geht es in Europa gut. Sie bringen ihr wirtschaftliches Gewicht nicht nur in der EU zu Geltung, sie könnten sich sogar ihre Schriftsteller leisten. Womit weniger die wirtschaftliche Situation als die Aufmerksamkeit gemeint ist. Wer sich nicht ständig um seinen Arbeitsplatz sorgen muss, hätte doch Zeit für ein Buch. So ist die Situation hier noch viel absurder. Wir könnten, aber warum sollten wir? Lieber überlegen wir uns neue TV-Formate, in denen wir uns an der Bloßstellung erfreuen, oder laufen zu Events, um uns selbst darzustellen.