Fieber

Fieber

Damit lässt sich doch alles entschuldigen. Ich war nicht klar bei Sinnen, als ich All-in ging. Ich war krank im Kopf, als ich mit ihr … aber ich liebe nur dich … oder so. Fieber. Ein Wort, das allzu gerne missbraucht wird. Wer spricht schon von 39°+, es müssen mindestens 40° sein. Dem Tode nahe. Im Krimi führt das Fieber immer glatt in den Untergang. Obwohl mancher Held für sich in Anspruch nimmt, niemals klarer bei Verstand gewesen zu sein als in dem Moment, wo er sich berauschen ließ. Fieber, oftmals erotisch aufgeladen. Wie ein Sandsturm. Nicht selten führt dann kein Weg zurück. Statt wie bei Chandler jemanden mit einer Knarre hereinkommen zu lassen, wenn einem Autor nichts mehr zu Handlung einfällt, sollte er seine Figur fiebern lassen. Doch das gute, alte Fieber ist gestorben. Durch den Virus ersetzt worden. Wie eh und je werden wir von der Hitze befallen, aber diesmal dürfen wir alle Schuld von uns weisen. Der Virus ist fremdbestimmt. Eine heimtückische Drehung ins Extreme. Befiel das Fieber noch einzelne, greift der Virus nach dem Großen und Ganzen. Er wurde in einem Labor gezüchtet, um uns alle auszurotten. Wie paradiesisch die Zeiten, als der Hausarzt durch Handauflegen die Überhitzung kurierte. Wer jemals Peggy Lee Fever hat singen hören, möchte nie wieder schlafen gehen. Dem kann kein Virus etwas anhaben. Soll er doch ruhig die Welt vernichten. Wir fiebern hinterher.