Es lebe die Lüge!

Es lebe die Lüge!

Die Wahrheit muss ans Tageslicht. Einer der meist missbrauchten Sätze. Direkt nach: Ich war’s nicht. Als hätten die Tatsachen nur im Licht Bestand. Als Rampensäue. Leider sind wir von Natur aus Lügner. Wer frei sein will, legt sich besser ein ganzes Arsenal davon zu. Die ewigen Rechthaber nerven, so dass die eine oder andere Situation einen kleinen Schwindel erfordert, unumgänglich macht. Ganz zu schweigen von einem spannenden Plot, in dem die Unwahrheit die Voraussetzung für jede Lebensbeichte darstellt. Die Wahrheit ist die eigentliche Hure des Genres. Jederzeit käuflich. Nicht nur, dass wir sie verdrehen und für uns pachten, sie interessiert keinen, wenn sich mit der Verdrehung der Tatsachen Geld verdienen lässt. Nicht alles, was wahr ist, solltest du auch sagen, meinte Voltaire. Raffiniert. Philosophie. Ab damit aufs Sonntagsporzellan. Der eine vertuscht sie lieber, der andere kann ohne sie nicht weiterleben und im Mainstream kommt es allein darauf an, dass am Ende die Fronten geklärt sind. Du da, ab in die Ecke! Du da, rauf zur moralischen Beförderung. Das verlogene Beharren auf dem Alles wird gut, hat den irrigen Glauben ins Genre getragen, dass der Kriminalroman sich als solcher nur definiert, wenn er die Wahrheit stets in der Vergangenheit sucht. Dass die Zukunft eine solche produziert, weil die Gegenwart nur Lügen zulässt, führt nicht selten dazu, dass wir im Jetzt erst zehn Minuten verstreichen lassen, um sie zu verdauen. Und so lesen wir Krimis nicht wegen der Wahrheiten, sondern wegen der Lügen. Sie müssen nur überzeugend sein. Wahrheiten verkünden.