Es fehlt immer was...

Es fehlt immer was…

Vieles aus unserem Leben wäre mitunter geschwärzt. Vor allem die Sprüche von früher: Du glaubst wohl, bei dir kommt einer klingeln und bietet dir einen Job an? Oder: Wenn ihr jetzt ein Kind bekommt, müsst ihr auch heiraten. Zurechtweisungen gehen leichter über die Lippen, sind aber mitunter schlecht in Selbstgespräche zu packen. Man könnte zum Beispiel zu sich sagen: Zieh die Jacke an, lass das nicht immer liegen, hast du das Fahrrad auch abgeschlossen, den Anzug abgeholt? Aber wer will schon so in der Öffentlichkeit als Sklave seiner selbst dastehen? Dann doch lieber ein Opfer suchen. Der Kinderwagen gehört nicht in den Flur. Müssen Ihre nassen Sachen da rumhängen? Das dient der seelischen Befreiung. Da sind wir froh, wenn wir auch mal einen raushauen können. Einen ganz privaten. Es lebe das süffisante Lächeln, der weise, gutmütige Blick. Wenn eine Möbelhauskette die Hitler-Tassen zurückrufen muss, weil sich zwischen Rosenmotiven ein gestutzter Schnauzbart auftut. Und am nächsten Tag der Staatsschutz vor der Tür steht. Dann halten wir uns an den Boulevard, der inzwischen auch in unsere renommierten Nachrichtenmagazine Einzug gehalten hat. Kann bei einer prominenten Toten wie der Tochter eines berühmten Sängers, die fast schon selbst berühmt war, keine Todesursache festgestellt werden, ist das so schlimm wie ein verlorener Flugschreiber unter Wasser. Wir müssen es kommentieren. Da hauen wir mal glatt ein Spruch raus. Es fehlt uns halt allen im Leben etwas Aufmerksamkeit. Und ein paar Schläge haben noch niemandem geschadet.