Es brennen mal wieder die Barrikaden.

Es brennen mal wieder die Barrikaden.

Es geht ums nackte Überleben. Um Männer, die weinen, Frauen, die entsetzt ins Leere stieren. Um Kinder, die die Köpfe hängen lassen. Mit regelmäßiger Dramatik findet im späten Frühling der Untergang statt. Mal im Norden, im Westen, selten im Süden. Der Osten findet kaum statt. Vorstände kippen, Zäune werden erklettert, Busse aufgehalten. Manchmal geht auch eine Windschutzscheibe zu Bruch. Trainer sind ausgewechselt worden, flammende Appelle all überall. Abstiegskampf. Es geht ums große Ganze. Worthülsen, feurige Blicke, hochrote Köpfe. Hingabe wird eingefordert, Einsatz, ehrliche Arbeit. Der Ernst der Lage soll endlich kapiert werden. Zweimal 45 Minuten. Erst von rechts nach links, dann von links nach rechts. Oder umgekehrt. Wer will sich schon in der Zweitklassigkeit wiederfinden? Nach unten geht’s immer weiter. Ist der erste Schritt vollbracht, folgt nicht auch der zweite, dritte, der Fall ins Bodenlose? Und wo bleibt die Tradition, die glorreiche Vergangenheit, der gute Name? Die sportliche Variante der Buddenbrooks. Keiner hat’s kommen sehen. Es ist hausgemacht. Überall herrscht Abstiegskampf. Nicht nur in Europa. Weltweit. Und plötzlich brennen anderswo Barrikaden. Dort, wo kein Abstieg möglich ist. Wo offiziell verlautbart wird, dass Sicherheitskräfte nur befrieden wollen. Im ganz persönlichen Abstiegskampf. Es geht ums nackte Überleben. Die Theatralik hängt nicht mehr länger an einem Vereinswimpel. You never walk alone trifft auf das Motto: Erst schießen, dann fragen. Auf einmal bekommen Schlagzeilen einen so unsportlichen Touch. Keiner will sie außer den Falschen, denken die Richtigen. Keiner kann sie im Vorfeld einer WM gebrauchen. Es ist doch nur ein Spiel. Von rechts nach links, dann von links nach rechts. Irgendwann pfeift einer an, irgendwann einer ab. Denn keiner von oben spielt gerne von unten nach oben.