Endlich

Endlich

Wie verzweifelt haben wir all die Jahre nach der Antwort gesucht. Krimis gelesen. Thriller gewälzt. Sachbücher von Staatsanwälten, Psychologen, Schließern, Profilern gelesen. Woher kommt das Böse? titelte die Welt am Sonntag am Wochenende. Nicht etwa im Feuilleton. Unter der Rubrik Wissen bemühte Fanny Jiménez, uns zu beruhigen: Wir alle haben es zwar in uns, aber es muss schon eine Menge dazukommen, damit das Böse wie eine Krankheit ausbricht und in Gewalt umschlägt. Zur Jahrhunderte übergreifenden Einschätzung wurde am Rande gleich vermerkt, dass im Mittelalter die Mordrate 35-mal so hoch war. Also durchatmen. Die allgemeine Psychopathenwelle in Film und Buch ist reine Unterhaltung. Solange wir nicht in die falsche Familie geboren wurden, nicht sowieso schon von Anfang an durchgeknallt waren, haben wir alles im Griff. Das Böse in uns verbirgt sich hinter einer verschlossenen Tür. Rumort. Liest. Verschafft sich wortreich in Drehbüchern Luft. Es sind und bleiben stets die anderen. Die Mörder. Mag Jim Thompson noch so überzeugend vom Mörder in mir geschrieben haben. Wahrscheinlich stand da bei ihm die Tür nur einen Spalt breit offen und ein Windstoß zog durch ihn hindurch.