Endlich geht's wieder los.

Endlich geht’s wieder los.

So schnell kann es gehen. Eben noch so gut wie totgesagt, steht der Spionageroman vor der Renaissance. John LéCarre dürfte sich wie ein Jungbrunnen fühlen angesichts der Tatsache, dass die restaurierten Worte Kalter Krieg erneut aufblühen. Ost gegen West. Das ist doch schon was anderes als USA gegen den Islam und wir alle sind dabei. Da verschwimmt die Demarkationslinie so im Nebulösen, dass mittels riesigem IT-Aufwand erst einmal ein Gegner ausgemacht werden muss. Aber allein der Klang Putin. Kurz, knapp, klingt ein wenig wie Stalin. Auch nur zwei Silben. Schriftsteller brauchen natürlich etwas Vorlauf. Sie müssen sich erst einmal aus den Ausweichquartieren des Mainstreams lösen. Wenn sie nicht seit ewigen Zeiten eh im nationalen Überschwang verhaftet sind und der Feind alle Diktatoren dieser Welt umfasst. Was in den Staaten einfacher ist als in einem auf den Konsens der Mehrheit ausgerichteten Land wie unserem. Er sitzt endlich wieder im Osten. Die Nation ist in Gefahr. Russische Spione überall. Mit diesem Diktator aus Nordkorea ließ sich der abendländische Schulterschluss nur schwer bewerkstelligen. Aber ein Konflikt in Europa. Gott sei Dank weit genug entfernt, um mit der Angst vorm Krieg die Sinne zu trüben, statt bereits Bataillone aufzustellen. So sollte ein vernünftiger Krieg sein: fern der Heimat. Er muss dazu führen, dass sich zwischenzeitlich sich selbst argwöhnende Verbündete an das erinnern, was ein transatlantischer Pakt ist. Wir gegen den Rest der Welt. So führt sich die Geschichte einmal mehr als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Schriftsteller auf. Natürlich nur für jene, die bislang nicht über Wanne-Eickel und seine mörderische Nachbarschaft geschrieben haben. Schauen wir nächstes Jahr mal auf die Bestenliste, ob wir Scharfmacher wie Feinsinnige des Kalten Krieges auf den ersten Plätzen finden. Erst dann ist der Kalte Krieg in unseren Köpfen wieder angekommen. Nur Berlin wird wohl niemand mehr teilen wollen. Kiew vielleicht schon.