Die Neger

Die Neger

Allein als Überschrift schon eine Beledigung. Wäre es nicht der Titel eines Stücks von Jean Genet. Das Plakat für die Aufführung hat für einen Skandal gesorgt. Nichts als Verstörung. Schwarz angemalte Gesichter. Schande über alle. Werbecoup für die Veranstalter. Sogar die Absetzung wurde gefordert. Genet hätte es gefreut. Rassismus, lautet der Vorwurf. Erinnerung an die maledeiten Minstrel Shows. Die Blackfaces. Neokolonialismus. Und dann auch noch mit weißen Schauspielern besetzt. Der Kulturbetrieb hat wieder seinen Aufreger. Und jetzt das. Die Inszenierung ist bieder. Ihr wird vorgeworfen, ein zeitloses Nichts zu sein, das Hass, Anklage und Trauer negiert. Was ist eigentlich ein Schwarzer und welche Farbe hat er?, hat Jean Genet sich gefragt und ein Stück über Theater im Theater geschrieben. Was von der Anlage Ende der 50er revolutionär war, wirkt heute eher museal. Wohin bloß mit dem Inhalt? Ab in die Werbung damit. Genet bestand darauf, dass schwarze Schauspieler Weiße spielen, ganz seinem flirrenden Drang zur überbordenden sprachlichen Burleske gehorchend. Nun schimpft die Kritik über den Mummenschanz in Wien. Die Enttäuschung, dass der Skandal nur an den Plakatwänden hängt und nicht auf der Bühne stattfindet, ist groß. Der heilige Genet versinkt in Pappmaché und Kunst. Eine Provokation lässt sich nicht wiederholen. So gerne wir uns auch im Retro aufplustern.