DER HIMMEL, PUTIN UND DIE PAPAYA

DER HIMMEL, PUTIN UND DIE PAPAYA

Vor drei Tagen auf dem Markt. Ein Vater mit leerer Halterung, in die sonst ein Baby passt, und eine Mutter mit Einkaufsnetz und Wilde-Kerle-Ball vor Gemüse und Obst. Sagt sie: „Nächstes Jahr bekomme ich wohl eine gesalzene Heizkostenabrechnung?“ Fragt er: „Wieso?“ Sagt sie: „Ich hatte letzte Nacht die Balkontür auf und die Heizung an.“ Fragt er: „Wieso?" Sagt sie: „Vergessen.“ Sagt er: „Ist mir auch schon passiert.“ Fragt sie: „Wieso?“ und kann sich nicht entscheiden, ob die Papaya nun weicher oder doch hart sein soll. „Bei mir war es das Fenster. Stand die ganze Nacht auf“, sagt er. Sagt sie: „Putin verdient sich eine goldene Nase an uns.“ Fragt er: „Heizt du mit Gas?“ Sagt sie: „Kann ich mir aussuchen, ob mit Gas oder Öl? Wenn es da unten Krieg gibt, sperrt der uns sowieso den Hahn zu.“ Sagt er: „Bei mir hat’s mal reingeregnet. Die ganze Nacht.“ Sagt sie: „Den besitzt er wenigstens noch nicht.“  Fragt er und lacht: „Bist du sicher?“ Sagt sie: „Nö“, und lacht nicht, als sie die Papaya zurücklegt. Und sagt noch mal: „“, drückt ihm mit der Hand den Arm und schiebt sich durchs Gedränge weiter. Und ich sehe in den Himmel, ob es wohl in den nächsten zehn Minuten regnen wird, und frage mich, ob Putin wohl da oben ist, und bin schon an der Reihe. Vielleicht Spargel? Der Verkäufer schaut mich an. Bei mir hat’s mal gebrannt. Aber da war Jelzin noch Präsident. An den wichtigen politischen Diskussionen kann ich nie teilnehmen.