Demos

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Algerien wählt einen neuen Präsidenten. Demokratisch. Jedenfalls, was man so Demokratie nennt. Präsident Bouteflika ist trotz Schlaganfall Favorit. Eigentlich wählen Sie ein Poster von ihm. Wahlkampf für ein Phantom heißt es in der Kulturzeit. Seit über einem Jahr ist der Präsident nicht mehr aufgetreten, aber an seiner Wahl zweifelte niemand. Die “Schwarzen Jahre“, wie die Algerier die 90er Jahre in ihrem Land nennen, will niemand wieder haben. Also leistet sich das reiche Algerien Programme, um der Bevölkerung Arbeitsplätze zu sichern und nicht auch noch einen Arabischen Frühling zu erleben. Nachdem die Parlamentswahlen damals wegen eines abzusehenden Sieges der Islamisten abgebrochen wurden, versank das Land im Bürgerkrieg. Bouteflika wurde 1999 Präsident. Nach der Politik der Versöhnung nun also die Wahl eines Fotos. Da hat es das Europaparlament besser. Seine Mitgliedsstaaten stehen zurzeit angesichts der Entwicklung in der Ukraine zusammen und können zu Recht auf das Fortbestehen einer Gemeinschaft verweisen, die im Miteinander einiges erreicht hat. Wirtschaftlich. Auch mittels Versöhnung. Angesichts einer Heerschar Nichtwähler darf die Frage erlaubt sein, welchem Gespenst wir bei uns hinterherlaufen? Wenn auch keinem einzelnen Foto, sondern einer Vielzahl von Aufnahmen. Wer durch die Großstädte fährt, wundert sich, wie viele Kandidaten es doch gibt. Und jeder besitzt eine eigene Vorstellung davon, was Demokratie bedeuten soll. Was bringt sie mir persönlich ein, müsste die Antwort auf die Frage lauten, warum wir wählen gehen. Das Herz der Demokratie schlägt in jedem auf seine Weise. Kurz vor der Wahl macht es sich bemerkbar. Danach hat es wieder vier Jahre Ruhe und wir können uns darüber aufregen, dass niemand seine Versprechungen hält. Realpolitik nennt man so was. Da kann es nur heißen: Wählt mich! Auch wenn mir gerade nichts einfällt, was ich überhaupt versprechen will. Ein passendes Foto finde ich sicher. Mehr brauchen wir ja nicht.