Wetter

Wetter

München hat den Föhn, Frankfurt die Schwüle, Hamburg den Regen, Berlin den Winter. Ist auch nur ein Banküberfall abgesagt worden, weil das Wetter schlecht war? Es ist eher so, dass auf den Verfolgungsjagden Schnee und Regen gerne gesehen werden. Ein Schleudern aus der Kurve in Abhang hinein, das Überholmanöver in letzter Sekunde, der Scheibenwischerausfall werden erst dann dramatisch, wenn der Himmel alle Schleusen öffnet. Kein Autor zieht erst einmal die Wetterkarte zurate. Privat Eyes träumen im Januar von der Standheizung, Entführer unter der Sonne Arizonas von der Klimaanlage, Scharfschützen bei Nebel von der freien Sicht. Wir Leser werden um das Wetter betrogen. Es wechselt selten, ist einfach da und keiner kümmert sich um die Klimakatastrophe. Es ist halt immer Jahreszeit. Im Herbst spritzen die fallenden Blätter hinter dem Geldtransporter hoch. Im Frühling dienen dieselben Blätter dazu, ein Boot im Gebüsch verschwinden zu lassen. Stürmisch aus Nordnordwest. Interessiert sich denn kein Schurke fürs Wetter? Nichts da, sie fahren weiter und lehnen sich nicht aus dem Fenster, um eine Hand auszustrecken und festzustellen, dass es zu tröpfeln beginnt. Dass der Himmel schwarz ist. Eine der wichtigsten gesellschaftlichen Diskussionen geht dem Genre vollkommen verloren. Die Frage danach, wie das Wetter wird. In den Himmel schauen sie alle. Um sich eine jener Kugeln einzufangen, die irgendwo auf der Welt abgeschossen wurde. Wäre interessant zu wissen, ob dadurch mehr ums Leben kommen als durch Blitzschlag.