Das Schweigen

Das Schweigen

Schon Ingmar Bergmann wusste um die Bedrohung und nannte seinen Film so. Wer ist schuld? Wer der Mörder? Die Frage selbst muss nicht mal ausgesprochen werden, um die Spannung zu steigern. Nur darauf kommt es an. Von Kapitel zu Kapitel. Jemand geht durch einen Raum und hört nichts, wo er doch eigentlich etwas hören müsste. Ein anderer wird wach und weiß, hier stimmt was nicht. Alles Abwesende ist beredt, wenn es nicht eintrifft. Autoren spielen mit diesen Lücken, wenn es ihnen gelingt, das Unausgesprochene in den Mittelpunkt zu rücken. Handwerklich ist der Cliffhanger sicher die rüdeste Antwort auf die Frage: Wie bringe ich einen Leser dazu, dass er weiterliest? Eine Tür öffnet sich, ein Fuß tritt über eine Schwelle und … das nächste Kapitel. Oder: Ein Anwalt zückt den Federhalter und hält ihn der jungen Erbin hin und … das nächste Kapitel. Schweigen, nichts als Schweigen zwischen den Kapiteln. Der Leser ärgert sich, weil ein Dialog plötzlich nicht zu Ende geht, mittendrin abbricht, jemand eine Antwort schuldig bleibt. Die Kunst, zwischen den Zeilen zu erzählen, schafft die Meisterwerke des Genres. Das Schweigen muss man als Autor in sich haben. Einen Cliffhanger zu setzen, können alle lernen, aber das Schweigen, das, was ich nicht brutal inszeniere, das sich vielmehr einschleicht, das swingt eine Szene, einen Dialog. Darin ist es beredter als jedes Wort, das unbedingt einmal gesagt werden musste.