Das Reden

Das Reden

Nach dem Schweigen gibt es nichts Wichtigeres als das Reden im Krimi. Und zwar nicht der gepflegte Austausch. Das Miteinander, die Information, sondern der Endlosfluss gewisser Dauerredner. Joe Pesci hat es als einer der Lieblingsschauspieler von Martin Scorsese zu Golden-Globe-Awards wie Oscar-Ehren gebracht. Leidenschaftlich wird da ein Satz an den anderen gereiht, weil einem Pesci unbedingt die Welt erklären will. Und hat man es nicht verstanden, fängt derjenige von vorne an. Denn sein Sendungsbewusstsein ist ungebrochen. Nur er kann einem die Zukunft weisen oder aus einem Schlamassel helfen. Natürlich geht das im Film leichter als im Krimi. Um mit der Schnelligkeit, denselben Umfang zu bewältigen, müsste ein Autor Seite um Seite füllen. Und schließlich lautet ja eine der Schreibregeln, lockere deinen Dialog mindestens einmal pro Seite durch eine Handlung auf. William Gaddis hat es gewagt, ganze Romane mit Dialogen auszustatten. Was den Leser mitunter irritiert, weil es leicht dazu führt, dass wir den Überblick verlieren, wer gerade mit wem redet. Ganz anders die Dauerredner à la Pesci. Sie schlagen uns nicht selten in die Flucht. Mit anderen Worten reden sie immer dasselbe. Und retten nicht nur die Welt, sondern auch uns. Nicht selten kommt es im Genre vor, dass so einer am Ende nicht mehr lebt. Wer will sich schon Tag für Tag vorschreiben lassen, wie die Welt zu retten ist?