Das darfst du, das darfst du nicht.

Das darfst du, das darfst du nicht.

Selbst arrivierten Autoren kann es passieren. Ihr Verlag lehnt das neue Buch ab. Als Gründe werden genannt, dass man keinen Markt dafür sieht oder das Manuskript noch nicht ausgereift ist. Was wiederum bei einer Übersetzung schwierig ist, wenn es in einem anderen Land bereits erfolgreich verlegt wurde. Martin Amis ist es so mit „The Zone of Interest“ bei Hanser ergangen. Eine Satire über ein Konzentrationslager im Zweiten Weltkrieg. Das ist in Deutschland eh riskant. Wer erträgt es schon, dass das Ausland seinen Spott über die deutsche Vergangenheit ausgießt? Die Deutschen lachen nur, wenn lachen erlaubt ist, mag sich Amis gedacht haben. Angeblich ist der Roman mit einer starken Prise englischen Humors versehen, bei dem deutsche Verleger gleich befürchten, dass er womöglich der falschen Seite Zündstoff an die Hand gibt. Wenn ein Autor die deutsche Geschichte als Groteske verfasst, wird’s brenzlig. Darf man lachen, darf man nicht lachen? In Frankreich ist das Buch veröffentlicht worden. Dort wurde ja auch 2006 Jonathan Littles „Die Wohlgesinnten“ mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet. Dessen deutsche Veröffentlichung zu einem Sturm der Entrüstung führte. Ein Buch, das nicht veröffentlicht wird, ist ein leeres Buch. Man weiß einfach nicht, was drin steht. Und wer mag sich schon auf Englisch den Spiegel vorhalten lassen? Ganz hat Martin Amis' Agent Andrew Wiley die Hoffnung sicher nicht aufgegeben. Schließlich lässt sich so was partout als Skandal inszenieren. Und das verkauft sich bekanntlich immer.