Dampfplauderer

Dampfplauderer

Jetzt ist es ihm auch passiert. Dabei dachte doch jeder, dass Günther Jauch jedes Fettnäpfchen charmant umsegelt. Ein Islam-Talk im Fernsehen. Warum lädt man Imam Abdul Adhim Kamouss überhaupt ein, um ihn nicht öffentlich zu brandmarken, warum gibt man diesem Mann eine telegene Stimme, melden sich die Kommentatoren fast einstimmig zu Wort? Jauch ließ ihn reden. Was ist der Sinn eines Interviews? Die Fragen so zu stellen, dass die Befragten auch schön die Antworten abliefern, die man sich von ihnen erwartet? Oder ist es nicht so, dass sich die Antwort oft selbst entblößt. Jauch saß daneben und hörte zu. Der Titel der Sendung lautete übrigens „Gewalt im Namen Allahs – wie denken unsere Muslime?“ Nicht jeder ist ein André Müller, jener ausgefuchste Interviewer, der im Gespräch mit Claus Peymann einen Skandal um die Burg und Österreich ins Rolle brachte, der bei einem anderen Intrerview so weit ging, solange zu schweigen, bis sein Gesprächspartner etwas sagen hatte. Im Fernsehen ist die Kunst des Schweigens eine Todsünde. Zu jeder Sekunde muss etwas zu hören und zu sehen sein. Eine Talkshow ist nur dann eine gute Sendung, wenn jemand an die Wand genagelt werden kann. Am besten live. Und wenn wir schon die Frage danach stellen, was ein anderer denkt, dann hat er jedenfalls das zu denken, was wir denken, dass er denkt.