Survival is a word.

Survival is a word.

Gibt es einen Krimi über einen Heiratsschwindler von Format? Einen Hard-Boiled-Eheversprecher? Vielleicht im Cosy. Ihnen ist nur schwer auf die Schliche zu kommen. Sie sind so charmant, so einfühlsam, so adrett gekleidet, haben so gute Umgangsformen, wissen, wie man Messer und Gabel halten muss. Bis einer von ihnen angezeigt wird. Bis selbst die Schamgrenze egal ist. Die Betrogenen, die Verflossenen nach Gerechtigkeit schreien. Wie will man daraus einen Plot stricken, ohne ins Melodrama zu verfallen? Gekränkte Seelen allüberall. Doch auch auf dem Feld der Liebe zählt allein das Morbide. Was nichts anderes heißt als: Nur ein toter Gigolo ist ein guter Gigolo. Niemand will doch so blind sein, dass er nicht gemerkt hat, dass der andere nur das eine wollte. Nein, nicht Sex. Das eine. Das, was im Leben zählt. Und so bleiben sie zurück: die verblendete Witwe, der vereinsamte Nerd, der übergewichtige Obsthändler oder die Fleischfachverkäuferin. Und mitunter auch eine BMW-Erbin. Das Herz des Hochstaplers sucht das Abenteuer. Wie weit kann ich gehen, wie gut kann ich davon leben? Allein dieses stundenlange Zuhören, wie sehr der andere sich nach Liebe verzehrt. Die Tränen. Die Stoßseufzer. Hard-Boiled. Und dann die Liebesdienste … Drama pur. Der Heiratsschwindler an sich ist der perfekte Held für den Noir. Kein Happy End. Am Ende sind alle desillusioniert, einsam und zum Teil bankrott. Und sollte einem zum nie eingehaltenen Eheversprechen nichts einfallen, bleiben da so interessante Berufe wie Abmahnanwälte, Call-Center-Leiter oder Kunstfälscher. Aber dafür müsste man Patricia Highsmith sein. Sie hat bewiesen: Alles und jeden können wir mit Verbrechen und Irrsinn füllen. Wir müssen denjenigen nur wegen seiner Schwächen lieben.