Bloody Scotland

Bloody Scotland

Der Ort hätte nicht treffender sein können. Das altehrwürdige Stirling Highland Hotel in Stirling. Immerhin, wie sich während der Gespräche mit den Autoren herausstellte, auch schon mal Schauplatz eines Krimis. Der Autor fand es höchst amüsant, nun selber darin zu sitzen, zumal er das Hotel zuvor nur gegoogelt hatte. Ian Rankin spielte Fußball, William McIlvanny saß zusammen mit Parker Bilal auf der Bühne. Es gab ein Dinner mit Autoren und Lesern, bei dem der Gewinner des Deanston Scottish Crime Book of the Year bekannt gegeben wurde. Bei einer Zigarette oder einem Kaffee erzählten die Autoren, dass sich auf der Insel Krimis massenweise vor allem über den Preis verkaufen lassen. Je billiger, umso erfolgreicher. Oder dass man als Autor besser einen Preis gewinnt, um sich einen Namen zu machen. All dies wurde mit der Leichtigkeit eines Familientreffens unters Volk gebracht. Jeder schien irgendwie jeden zu kennen und zu schätzen. Es war nicht ein Treffen zwischen Kritikern und Autoren, wie das bei uns gerne veranstaltet wird, um einem Genre Bedeutung zu verschaffen. Es war Crime Entertainment. Wie eine der jungen Nachwuchsautorinnen so schön sagte, ich will über das Schlechte in der Welt schreiben, aber das unterhaltsam. So blieb neben Peter May als Gewinner des Preises nur ein Ereignis wichtig. Wie war das Spiel Schottland gegen England ausgegangen? Ob Ian Rankin ein Tor geschossen hat, weiß ich nicht, aber dass die Schotten 14 Toren erzielten, den Engländern nur zwei, drei oder vier am Ende blieben, tat nach dem verlorenen Referendum der schottischen Seele gut. Auch wenn Ian Rankin bei seinem Gespräch auf die Frage danach, wie seine Figuren beim Referendum wohl abgestimmt hätten, meinte: Rebus wohl eher mit „No“, weil er ängstlich ist, Siobhan Clarke mit „Yes“, weil sie jünger ist, und Malcolm Fox hätte sich sicher nicht entscheiden können, ob er lieber „Yes“ or „No“ hätte ankreuzen sollen. Womit einmal mehr bewiesen ist, dass Krimischriftsteller stets die ganze Gesellschaft im Auge haben.