Bitte jetzt ein Häkchen setzen. Sofort!

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Nun haben wir es schriftlich – was jeder irgendwie vermutet hat -, wir kennen alle einen Psychopathen. Jeder hat zumindest eine Trennung hinter sich, die diesen Schluss zulässt. Joe Navarro hat eine Checkliste mit Hinweisen aufgestellt. Narzisstisch, dissoziale, paranoide, instabile Persönlichkeiten. In Reinkultur en masse im Psychothriller anzutreffen. Die Checkliste dürfte Autoren bei der Anlage des nächsten Plots helfen. Sie müssen nicht in Kindheitserinnerungen schwelgen. Einfach die Liste auf die Theke, den Barkeeper angeschaut. Was tut er, was er sagt er, was sagt er vor allem nicht und wie lange muss ich auf mein Getränk warten. Eindeutig ein Psychopath, der nachts lieber hinter einer Theke steht, als wie alle anderen zufrieden in seinem Bett zu liegen. Es ist ratsam, Navarros Checkliste nur auf andere anzuwenden. Wird er von Zweifeln geplagt? Ist er sehr empfindlich? Wittert er immer eine Verschwörung hinter sich? Ist er eifersüchtig, stur, streitet, wird persönlich und hält sich für unfehlbar? Das könnte eng werden bei einem selbst. Ich, narzisstisch? Niemals! Instabil? Da kenne ich aber noch ganz andere. Dissozial? Was soll das denn heißen? Ein Psychopath reicht aus, um unser Leben zu ruinieren, sagt Navarro. Also besser, man begegnet sich selbst nie. Weil ich einem mal meine Meinung sage, bin ich noch lange kein Raubtier und nur hinter dem Geld und dem Sex her. Ein Serienkiller. Ich bin eher schüchtern, zurückhaltend, moralisch. Aber auch das ist kritisch. Ab 25 Häkchen sitzen wir in der Grauzone fest. Navarros Psychopathen-Alert schallt durch die leeren Räume unserer sozialen Kontakte. Endlich wissen wir, warum wir nur eine feste Beziehung haben. Die zum Algorithmus. Als Tipp rät der Profiler, im Notfall "Nein, Sie dürfen mich nicht anschreien" zu sagen. Das aber bitte nicht schreien, sonst denkt ihr Gegenüber: Sie sind ein Psychopath. Das könnte zu Verwicklungen führen, wer hier wer ist. Es soll auch helfen, dem Psychopathenratgeberschwachsinn zu entgehen, indem wir unserem Narzissmus vertrauen und uns sagen: „Nein, dass muss ich nicht lesen.“ Lesen wir lieber: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Das beruhigt.