Auf dem Schirm

Auf dem Schirm

Oft begegnen wir im Kino oder auf dem Fernsehschirm einem finalen Showdown, bei dem ein Mörder sich erschießen lassen will, um durch die Tat einen Guten in einen Schuldigen zu verwandeln. In Sieben von David Fincher wird Brad Pitt dieser Versuchung, sich an dem Mörder seiner Frau zu rächen, nicht widerstehen können. Und auch in The Bridge wird Det. Marco Ruiz nur davon abgehalten, dass seine Kollegin ihn anschießt. Was den Schluss zulässt, dass wir die Guten nur weit genug in die Verzweiflung zu treiben brauchen, damit sie selber durchdrehen. Lass jemanden deine eigene schmerzhafte Erfahrung machen und schon fühlt er, denkt er wie du? Oder setzt sein Hirn nur für einen Moment aus? Die Whodunits-Schöpfer bewegen sich da auf einem wackligen Pfad. Ist es gerecht, selbst Rache nehmen zu dürfen? Das Genre schmunzelt nur darüber: Wir dürfen alles. Am Tag und zur Nacht. Bei uns fließt das Blut schließlich nur in den Köpfen der Leser und schießt nicht heraus. Die Tat an sich lässt sich ja je nach Lösung wunderbar schubladisieren. Erschießt er ihn … ganz klar Noir. Erschießt er ihn nicht, dann … dann schlafen wir ruhiger bei dem Gedanken ein: Der Mensch an sich ist gut. Wobei Sartre dann noch die philosophische Entscheidung zwischen an sich und für sich gemacht hätte.