Angelesen

Angelesen

Zwar verkaufte sich der Dichter im Elfenbeinturm vor Jahrhunderten eher mäßig, durfte aber auf einen ungeheuren Nachruf hoffen. Was die höheren Weihen der Literatur erst so recht beflügeln. Trotzdem erscheint das Literaturgeschrei im Feuilleton, das sich den heiligen Stufen der Abgrenzung unterwirft, auf der Suche nach den eigenen Verkaufszahlen oftmals zu wanken. Vor allem, wenn das Fernsehen sich einmischt. Wer es zur Primetime auf den Schirm schafft, verkauft sein Gesicht, prunkt mit einer möglichst schillernden Biografie und schon weiß jeder Leser, muss ich lesen. Selbst die Regionalzeitungen mit ihren direkten Buchtipps auf den Frühstückstisch verblassen dahinter. Ein Buch, in die Kamera gehalten, nähert es sich unweigerlich der magischen Grenze von 20.000 Exemplare, ab denen es, laut Angaben eines ungenannt bleiben wollenden Buchhändlers, zum Selbstläufer wird. Wie weit der Charme dabei auf den Hund gekommen ist, dass er sich nun an den Darm anbindet, diese Frage unterbindet sich von selbst, ist eher ein Phänomen. Wer entwirft heute die Literatur, die wir lesen wollen? Der Werbetexter? Muss natürlich nicht gelesen werden. Hauptsache gekauft. Wir bestehen auch nicht darauf, dass es uns zurückgegeben wird, wenn wir es durchgeblättert verliehen haben.