Andere Leser lesen auch

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Bei vielem, was ich schnell haben kann, passiert es, dass es auch schnell an Wert verliert. Ich gehöre zu denen, die nicht alle Bücher zu Ende lesen. Wenn mich ein Autor oder eine Autorin langweilt, ich die Geschichte hanebüchen finde oder sie irgendwo abgekupfert ist, schlage ich das Buch zu. Bei einem gut gefüllten Bücherregal kommt zwar nie ein Leerstand vor, aber im Zeitalter der E-Books gehe ich noch ungnädiger mit Autoren um. Radikaler. Ich gestehe, E-Books lege ich noch schneller aus der Hand als gedruckte Bücher. Wahrscheinlich weil die Ehrfurcht geringer ist. Bei einem Buch ist mir der ganze Prozess klar. Dass es gedruckt werden musste, dass ein Lektor mit einem Autor um jeden Satz gerungen hat, dass ein Buchhändler es auf gut Glück vorrätig hält. E-Books stehen nun mal nicht bei mir im Regal. Ich ziehe nicht mit ihnen um. Freunde nehmen sich nicht extra für das Wochenende etwas vor, weil sie an die Kisten denken, die sie letztes Mal vier Etagen hochschleppen mussten. Einen Reader trägt jeder. Was wiederum nicht bedeutet, dass ich gedruckte Bücher immer zu Ende lese. Auch bei Gedrucktem sage ich mir oft, dass mir zu wenig Zeit für die guten Bücher bleibt, wenn ich schlechte über alle Maßen weiterlese. Interessant nur, dass die Hemmschwelle beim E-Book sinkt. Dass ich schneller an den Punkt komme, das Gefühl zu haben, meine Zeit zu vergeuden. Je umfassender das Angebot, je schneller ich es bekomme, desto mehr habe ich das Gefühl, etwas zu verpassen. Die Party nebenan klingt vielversprechend. In meinem Regal stehen unzählige Bücher, die ich nicht zu Ende gelesen habe, aber sie kleben an mir. Ziehen ein Gesicht, weil ich sie nicht zu schätzen weiß. Ich Ignorant. Ich Banause. Jeden Tag muss ich an ihnen vorbei. Die auf meinem Reader fallen nur dann auf, wenn ich den Strom anstelle. Nicht selten ist es jedoch so, dass ich noch mal ins Regal greife, um zu überprüfen, ob mein Urteil damals so richtig war. Während mir auf dem Reader längst schon das nächste Buch angepriesen wird. Andere Leser lesen auch: Da will ich doch nicht zurückstehen. Etwas verpassen. Ein Buchhhändler, der sagen würde, andere Leser lesen auch, und mir vier Exemplare hinhalten würde, den würden ich für einen Spinner halten. Seine Buchhandlung nie wieder betreten. Soll er doch Tomatendosen verkaufen. Fahrräder ausleihen. Vor meinem Regal werde ich in Ruhe gelassen. Hier lese nur ich. Basta!