Alain, André, Yves, Gian Maria und ich.

Alain, André, Yves, Gian Maria und ich.

Manchmal tut es gut, sich noch mal einen alten Film anzusehen, um sich zu vergewissern, wie wenig eine Geschichte doch braucht. Jean-Pierre Melville stellt seinem Film Vier im roten Kreis eine Weisheit von Rama Krischna voran: Wenn es vorherbestimmt ist, dass Menschen einander wiedersehen sollen, was auch immer ihnen geschieht, auf welchen Wegen sie auch wandeln, am gegebenen Tag werden sie einander unvermeidlich im roten Kreis begegnen. Daraus besteht der ganze Film. Wenige Worte. Nur Bilder und Jazz. Männer, die den frühen 60ern zu entstammen scheinen und unweigerlich den roten Kreis betreten werden. Zum Showdown in farbigem Schwarz-Weiß. Eine Geschichte, die die Figuren so kantig entblößt, dass sie nicht mehr viel über sich erzählen müssen, um den Noir in einem Satz zu spiegeln. Es gibt keine Unschuldigen. Die Menschen sind Verbrecher. Bei Melville müssen wir keinen geschliffen Dialoge verfolgen. Er verlässt sich darauf, zu zeigen, was Delon, Bouvril, Montand und Volonté tun. Oder auch nicht tun. Im schnellen, explodierenden Videoschnitt heutiger Filme ist diese Langsamkeit nackter, als jeder cinemaskopische Appetithappen. Egal wie ironisch gebrochen er sich auch versteht. Denn wir alle leben nicht so schnell. Wir wandeln eher auf Melvilles Spuren. Und da ist die Aussicht auf ein glückliches Ende schamlos.