Neulich in Nairobi.

Neulich in Nairobi.

Verbrechen sind alle gleich auf der Welt. Ein Mord ist ein Mord, Betrug Betrug und Erpressung bleibt Erpressung. Wieso ist er also in der Bronx anders als in Eppendorf? Tot ist tot, entführt entführt. Es ist schon merkwürdig, wie sehr wir an Loser-Storys hängen. Und glauben wollen, dass sie so nur in Nairobi oder Karlsruhe stattfinden können. Da begegnen unseren Helden alle nur möglichen Schicksalsschläge und oft genug sind sie nicht ganz unschuldig an ihrer Misere, aber wir Leser fressen uns Seite um Seite vor, um ihnen beizustehen. Weil Nairobi ja doch nicht die Bronx ist. Das Leben jedes Mensch ein anderes ist. Wir wollen einfach nicht glauben, dass es überall dasselbe ist. Das darf nicht sein. Es muss irgendwo schlechter sein oder besser oder gar nicht. Das sind die Autoren uns schuldig. Wieso werden sie denn von uns bezahlt? Ernüchtert, nicht selten verkatert vom Leben müssen sie uns die letzte Chance im Leben wie ein Wiederaufnahmeverfahren servieren. Da war doch was, was sich nach etwas anfühlte. In Nairobi wie in der Bronx wie in Karslruhe. Plötzlich kennt einer die Route eines Geldtransporters, den Sicherheitscode eines Börsenhändlers, die Zugangsdaten zur atomaren Gefechtsstation. Und alles kommt ins Lot. Der Krebskranken wird im letzten Moment das noch nicht auf dem Markt erhältliche Medikament zuteil. Die an Scheidung denkende Ehefrau lässt sich ein letztes Mal erwärmen. Moskau, Saigon oder Caracas wird von feindseligen Kräften gesäubert. Weil eine Idee geboren ist, mit der sich etwas anschieben lässt und die noch nicht gegen die Wand gefahren wurde. Na wenigstens was. Das Leben hält einfach zu viel Langeweile bereit.