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Keiner wird bestreiten wollen, dass der Krimi die Romance der Gerechtigkeit ist. Wenn der Spiegel daher online titelt Gerechtigkeit als Ausnahme, tritt die Realität in drei Worten ins Rampenlicht. Steht nackt da. Ein Kaiser ohne Kleider angesichts einer Lega Nord, die am Jahrestag der Sinti, deren Lager mit dem Bulldozer heimsuchen will. Desto dringlicher erscheint uns Lesern die Aufklärung am Ende eines harten Plots mit Todesfolge. Lasst uns träumen. Je realistischer, umso besser.  Vielleicht liegt der Erfolg des Regionalkrimis neben der Heimeligkeit darin, dass wir uns zwischen zwei Buchdeckeln sicherer fühlen. Der Tatort enttäuscht einen nie. In South Carolina scheint sich nun, eine John Grisham Geschichte abzuspielen. Da soll tatsächlich demnächst jemand verurteilt werden, der einem Unbewaffneten in den Rücken schoss. Schließlich besaß er die richtige Hautfarbe dafür. Ausnahmsweise schließen sich in diesem Fall nicht die Reihen. Was ist los da drüben? War doch bis jetzt immer halb so schlimm, wenn es den Falschen traf. Wie will der Staat für Ordnung sorgen, wenn er mit dem Finger auf die eigenen Leute zeigt? Hat da ein Staatsanwalt zu viel Turow und Connelly gelesen oder sich die Zeit bei Good Wife vertrieben? Also weiter schreiben, an der Gerechtigkeit festhalten, liebe Autoren. Irgendwann trefft ihr den richtigen Leser vielleicht in einem schwachen Moment. Und sorgt für Gerechtigkeit.