Mal angenommen, es wäre so...

Mal angenommen, es wäre so…

Ich will mal einen Tag keinen Tag haben. Frei vom 1. Mai, frei von Himmelfahrt, frei vom 5. Oktober und Silvester. Und damit meine ich nicht Nicht-Arbeiten müssen, einfach frei von einem Datum. Nachdem jetzt jeder irgendwie schon seinen besonderen Tagen hat. Internationaler Tag der Muttersprache. Tag des Weltpostvereins. Internationaler Tag der Wohltätigkeit. Die, die keinen Tag abbekommen haben, müssen sich hinten anstellen. Die Tage sind weg. An Fronleichnam muss ich unbedingt rechtzeitig den Brückentag für mich reservieren, um nicht wie ein Loser dazustehen. Es fehlt dem Kalender einfach der Mut zu Lücke. Einen Tag ohne Tag. Ohne Uhrzeit.  Ohne Planung, ohne Erinnerung. Einfach eine Lücke, um hindurchzuschlüpfen und sich nicht über Sommer oder Winterzeit Gedanken machen zu müssen. Einfach durch und Ruhe ist. Das wäre ein Gedenktag. Ohne Gedenken. Nach dem 6. kommt unweigerlich der 7. Und nach 23.00 Uhr unweigerlich Mitternacht. Wie will man das abschaffen? Einen Tag ausfallen lassen? Ist so, als würden der Musik die Noten fehlen. Die Menschheit sich selbst abschaffen. Besser, der 29. Februar wird allgemein eingeführt als Nicht-Tag. Drei Jahre lang zur Probe. Im Schaltjahr haben wir uns daran gewöhnt und der eigentliche 29. ist dann auch nicht mehr der 29. Er fällt einfach aus. Nur gerät dann wegen eines ausgefallenen Tages sicher alles auf die schiefe Bahn. Die Wochen und Monate rutschen zeitlich weg. Dauert natürlich ein paar Jahrhunderte, bis die Welt es bemerkt. Die Tage, die Stunden verschwinden mit uns. Zu einem einzigen Gedenktag, für den die Welt sich eh nicht interessiert, weil die Wichtigtuer endlich weg sind.