Meine Wohnung, deine Wohnung, seine Wohnung.

Meine Wohnung, deine Wohnung, seine Wohnung.

In Köln wurde ein Mieter zwangsgeräumt. Nachdem der Vermieter erst Eigenbedarf angemeldet hatte, um die Wohnung danach dem Gerichtsbescheid zur Zwangsräumung zum Kauf anzubieten. Kluge Menschen überdenken ihre Entscheidung, wenn sie einen Fehler gemacht haben. Das liegt nicht allen. Manche können sich nicht entscheiden. Bislang ist nicht bekannt, ob der Richter sich bei dem Zwangsgeräumten entschuldigt hat. Da schützt Richter zumeist die Aktenlage davor. Vor allem Anwälte, die durch die Schlupflöcher im Gesetz schlingern. Am Ende wird stets ein Urteil gefällt. Warum wird ein solches nicht einfach zurückgenommen, wenn sich herausstellt, dass ein Gericht getäuscht wurde? Ach ja, der Mieter hatte schon eine neue Wohnung besorgt. Alles bestens, oder? Die Frage nach der Gerechtigkeit stellt sich zumeist hinter dem Besitz an. Noch mal prozessieren? Gerichtskostenbeihilfe beantragen? Vor vielen Jahren in Frankreich hat sich einmal ein Staatspräsident in eine drohende Zwangsräumung eingeschaltet. Nicht um einen Richter zu bestechen, vielmehr um dem Besitzer klar zu machen, dass man den hochbetagten Julien Green nicht aus seiner Wohnung wirft. Mit all seinen Büchern. Mit all seinen Verdiensten um die französische Literatur. Der Mieter in Köln besaß nicht so prominente Fürsprecher. Er hatte lediglich zeit seines Lebens in der Wohnung gewohnt und wollte in seinem Viertel bleiben. Auch die Demonstranten, die Nachbarn, die ihm zur Seite standen, vermochten nichts auszurichten. Denn eines gilt vor dem Gesetz: das Gesetz! Nach dem Urteil rückt dann die Polizei an. Die Herren in Robe verhandeln derweil den nächsten Fall. Keine Zeit, sich zu entschuldigen. Es gilt, rund um die Uhr Urteile zu fällen.